Ungleiches Erfurt. Höchste Zeit zum Handeln!

Ungleiches Erfurt. Höchste Zeit zum Handeln!

„Muss man gegen Segregation etwas tun? Muss man gegen Windmühlen kämpfen?“ fragte provokativ der Erfurter Amtsleiter für Bildung Dr. Werner Ungewiß. Nun, ähm „Wenn man betrachtet, dass Menschen mit Hartz IV Bezug im Durchschnitt 6-8 Jahre eher sterben, geht es um Leben und Tod“ entgegnete Prof. Dr. Jörg Fischer von der FH Erfurt. Findet Segregation zwangsweise statt, riskieren wir den Zusammenhalt in unserer Stadt, argumentierte Fischer weiter.

Für Zitatejäger hielt die gestrige Diskussion zum Thema Soziale Spaltung in Erfurt, zu der die städtischen Sozialdemokraten einluden, einiges bereit. So bescheinigte Fischer beispielsweise den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung in Erfurt eine Unwissenheit und Arroganz, die in Thüringen ihresgleichen sucht.

Den Einstieg zur Diskussion bildeten Auszüge aus der Studie zum Thema Ungleichheit und soziale Spaltung in deutschen Städten von Prof. Dr. Marcel Helbig der Uni Erfurt. Nach Rostock landet Erfurt in dieser Studie auf Platz zwei in Sachen soziale Ungleichheit. Als mögliche Handlungsoptionen brachte Helbig ins Spiel, die Marktkräfte außer Kraft zu setzen, sowie die Arbeit von Quartiersmanagements auszubauen. Da in Erfurt meist von den Stadtteilen Berliner Platz und Rieth gesprochen wird, war Maria Wedtstein in ihrer Rolle als Sozialarbeiterin auf dem Podium gefragt, um aus ihrer Praxis vor Ort zu berichten.

Herr Friedrich Hermann als Geschäftsführer der KOWO führte sein Unternehmen als bundesweit sozial engagiertestes Wohnungsbauunternehmen ins Feld. Auf Steffens Nachfrage zur Bereitschaft, alternative Wohnformen in Erfurt zu unterstützen verwies Hermann auf die fragwürdige Bezahlbarkeit und seine Rolle als Mann stimmiger Bilanzen. Da passte es gut, dass Herr Helbig von der Uni Erfurt am Beispiel des kostenfreien öffentlichen Nahverkehrs für
Schülerinnen und Schüler nochmal auf das Talent in Erfurt verwies, Vorhaben von vornherein schon zu zerreden. So zeigt beispielsweise Rostock, dass kostenfreier Nahverkehr für Schülerinnen und Schüler funktionieren kann und so eine Antwort auf das Thema Chancengleichheit findet, nicht nur weil es politisch gewollt, sondern durchaus auch finanzierbar ist.

Wo konkret der Groschen fällt, wissen vor allem Eltern, die sich mit der Frage des Schulübergangs ihrer Kinder nach der Grundschule beschäftigen. Der Grundstein der Chancengleichheit liegt bei der Schulwahl. Hier an gleichen Chancen für alle, egal welcher Herkunft zu arbeiten, ist eine Möglichkeit, die Kommunen zur Steuerung haben. Möglich ist natürlich auch, wie Helbig vorschlägt, die Schulen mit Mehrbedarf ordentlich finanziell zu fördern, wissend das „dies richtig Gegenwind bedeutet, weil da Leute auch was zu verlieren
haben“, so Helbig.

Bei den alarmierenden Bestandsaufnahmen in Erfurt müssen wir uns diesem Gegenwind stellen und Konzepte, sowohl im Bereich der Schulnetzplanung als auch im Bereich Verkehr, Wirtschaft und Stadtteilarbeit auf den Weg bringen, die vielleicht nicht jedem gefallen, aber einen Beitrag zu Chancengleichheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt leisten.

Drehst Du mit am Stadtrad?

Im Mai 2019 gibt es in Erfurt erneut die Chance auf Veränderung: ein neuer Stadtrat wird gewählt. Als Wählerinitiative Mehrwertstadt Erfurt bereiten wir uns darauf vor, mit am Stadtrad(t) zu drehen. Aber was ist eigentlich mit Dir? Die Kinder sind aus dem Haus oder die Ausbildung endlich geschafft?! Du hast ein Thema, welches Dich antreibt? …

Gestern trafen sich Daniel, Tina und Steffen mit Andreas Bausewein zum Austausch. Wir sprachen darüber, wie Kulturwandel innerhalb der Verwaltung stattfinden kann, über Transparenz bei städtischen Entscheidungen und wie Projekte gemeinschaftlichen Wohnens in Erfurt eine bessere Unterstützung erhalten.

 

OB-Zimmer frei! – Welchen Mehrwert haben Walsmann und Bausewein?

OB-Zimmer frei! – Welchen Mehrwert haben Walsmann und Bausewein?

OB Zimmer Frei – Welchen Mehrwert haben Walsmann und Bausewein? hieß es Dienstag Abend im übervollen Nerly. Solveig Kögel und Christian Prechtl moderierten den Abend anhand der Programmpunkte der Mehrwertstadt. Zu diesen positionierten sich Marion Walsmann und Andreas Bausewein, um den unentschlossenen Wählerinnen und Wählern der Mehrwertstadt ihre Schnittmengen und Unterschiede aufzuzeigen. Auch wenn die Luft gegen Ende dünner wurde, handelte es sich um einen kurzweiligen Abend. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an Frau Walsmann und Herrn Bausewein, dass Sie sich für dieses ungewöhnliche Format die Zeit genommen haben. Dankeschön auch ans Nerly mit besten Wünschen für die Zukunft.

Die inhaltlichen Angebote und Unterschiede offenbarten sich uns Ausschnittsweise wie folgt:

Während Frau Walsmann beim Thema Wohnen auf die Drosselung der Gewinnabführung seitens der KOWO an die Stadt und ein Kinderbaulandmodell setzt, führt Herr Bausewein ein Baulandmodell mit 20% Bindung von Sozialwohnungen sowie die Einsetzung eines Immobilienlotsen ins Feld.

In Sachen Verkehr setzt Frau Walsmann auf Rücksichtnahme, das Zusammenbringen verschiedener Mobilitätsformen und stellte die Förderung von E-Mobilität in Aussicht. Herr Bausewein verwies unter anderem auf die Planungen zum kostenlosen ÖPNV für U18, sowie die Einführung der Begegnungszone in der zweiten Jahreshälfte.

Beim Thema Ortsteile möchte Herr Bausewein gern offensiver zum Mitgestalten einladen, während Frau Walsmann sich für die Einführung von Ortsteilkonferenzen ausspricht.

Ein klarer Unterschied offenbarte sich in der Frage Videoüberwachung öffentlicher Räume, konkret des Angers. Während Frau Walsmann auf positive Erfahrungen anderer Städte verweist, lehnt Herr Bausewein Videoüberwachungen ab.

Frau Walsmann möchte die Stadtverwaltung zu einem Dienstleister auf Augenhöhe ausbauen und E-Government einführen. Herr Bausewein wünscht sich zukünftig weniger Ideologie und verweist darauf, dass Aus- und Fortbildung einen zukünftigen Schwerpunkt bilden werden.

Es ist nun an Euch zu entscheiden! Geht bitte wählen.