Jeder Weg ein Spaziergang

Kann es eine Verkehrsinfrastruktur in Erfurt geben, bei der sich jeder Tag wie ein Sonntag anfühlt? Zumindest möchte ich als OB einige Schritte in diese Richtung gehen….

 

Ausgangslage:

Der größte alltägliche Unmut beim Thema Verkehr in Erfurt wird durch mangelnde oder fehlende Radwege und zu wenige Parkplätze ausgelöst. Daraus resultieren zahlreiche Konflikte zwischen Nutzer*innen von Straßenbahnen, Autos, Fahrrädern sowie Fußgänger*innen. Die Innenstadt ist bereits weitgehend verkehrsberuhigt, eine Begegnungszone ist weiterhin geplant. Dazu stehe ich.

 

Foto: Johannes Glöde

Vorhaben, Ziel und Umsetzung:

Große Bedeutung haben meines Erachtens die Umstellung des Fahrscheinsystems für Bus und Bahn, sowie die Sicherung der alltäglichen Schulwege. Es kann nicht sein, dass wir für kurze Erledigungen zwei Fahrscheine brauchen und man seine Kinder nicht ohne Sorge allein auf den Schulweg schicken kann.

Für das Thema der sicheren Schulwege würde ich mich an der Stadt Osnabrück mit ihrer temporären Bannmeile rund um Kitas und Schulen in den Morgenstunden orientieren. Darüber hinaus ist eine sichere Rad- und Fußverkehrs-Infrastruktur nötig. Ein Schülerticket ermöglicht es künftig, allen Schüler*innen, kostenfrei den ÖPNV zu nutzen.

Eine erste Maßnahme ist ein Sofortprogramm für Radwege, um hohe Bordsteine und andere Hindernisse zu beseitigen. Dafür richtet das Verkehrsamt eine Hotline und eine App zum Anzeigen der betreffenden Stellen ein. Zur Umsetzung des Radverkehrskonzeptes werden kurzfristig Investitionsmittel zur Verfügung gestellt. Mittelfristig muss Erfurt eine Stadt der kurzen Wege sein. Fuß- und Radwege müssen zur ersten Wahl der Fortbewegung werden. Dazu gehört eine neue Kultur der Mobilität, die Umweltfreundlichkeit bewirbt und fördert, z.B. mit einem attraktiven Mobilitätspaket für neu nach Erfurt gezogene Bürgerinnen und Bürger.

Arbeitspendler*innen die nach Erfurt kommen, müssen ausreichend Parkplätze an den Stadträndern vorfinden und eine kostengünstige Nutzung des Nahverkehrs angeboten bekommen. Nur so kann der städtische Verkehr entlastet, Luftqualität verbessert, und Lärm reduziert werden. Eine Kooperation und die weitere Entwicklung mit den großen und mittleren Arbeitgebern in der Stadt ist ein weiterer Schlüssel zur Entwicklung nachhaltiger Verkehrssysteme inklusive einer daran ausgerichteten Ladeinfrastruktur.

Ich möchte aktiv in Gespräche mit Investoren und Bauherren einsteigen, um gemeinsam Konzepte von autofreien Quartieren in Erfurt auf den Weg zu bringen. Geteilte Mobilität mit Stellplätzen für gemeinschaftlich genutzte Fahrzeuge in der Nachbarschaft sind in anderen Städten längst keine Seltenheit mehr und beweisen, dass das Konzept funktioniert.

Die Anbindung der Ortsteile an den ÖPNV genießt aus meiner Sicht weiterhin Priorität. Gerade für den ländlichen Raum wurden bereits zahlreiche interessante Mobilitätskonzepte entwickelt, die es zu prüfen und umzusetzen gilt. Hier würde ich gemeinsam mit EVAG, Ortsteilbürgermeister*innen und -räten sowie weiteren relevanten Akteuren gut funktionierende Modelle unter die Lupe nehmen. Auch genossenschaftlich und gemeinnützig oder ehrenamtlich organisierte Mobilität hat sich vielerorts als erfolgreich erwiesen. Um die Anbindung zu sichern und gleichzeitig die Kosten zu optimieren, sollten wir den Mut haben, auch solche Konzepte in unserer Stadt auszuprobieren.

Querschnittsaufgabe muss die Barrierefreiheit sein.