Servicekultur auf Augenhöhe


Ausgangslage:

Mit weit über 3000 Angestellten ist die Stadt Erfurt einer der größten Arbeitgeber.
Seit Jahren wird über die unzureichende Erarbeitung eines Personalentwicklungskonzepts geklagt. Daraus ergeben sich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mangelnde Perspektiven. Durch psychische und physische Überlastung ist der Krankenstand extrem hoch. Ein Teil der kompetenten Mitarbeiterschaft hat die Stadt als Arbeitgeber bereits verlassen.

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass man in der Verwaltung in jedem Amt auf freundliche und engagierte Mitarbeiter*innen und offene Ohren trifft. Starre Hierarchien scheinen jedoch die Eigenverantwortung zu lähmen. Leider hat seitens der Bürgerinnen und Bürger in den letzten Jahren das Vertrauen zur Verwaltung in vielen Bereichen gelitten. Das Gefühl Bittsteller zu sein, der auf das Wohl und Wehe der Verwaltung angewiesen ist, hat sich verbreitet.

Auch beim Haushalt hat der OB jahrelang die Bürgerschaft und den Stadtrat warten lassen. Initiativen, aber auch die Verwaltung selbst waren in der vergangenen Amtszeit überwiegend gelähmt, da entweder eine Haushaltssperre vorlag, oder der Haushalt vom OB noch gar nicht eingebracht wurde.

 

Foto: Johannes Glöde

 

Vorhaben, Ziel und Umsetzung:

Serviceorientierung und Bürger*innenfreundlichkeit müssen Priorität haben. Eine Modernisierung vieler Kundensysteme ist überfällig und trägt zur Vereinfachung zahlreicher Prozesse bei. Die elektronischen Akten in der Stadtverwaltung und elektronischen Antrags- und Informationssysteme sollten eingeführt werden, um die Arbeit der Stadtverwaltung effektiver zu gestalten und um uns Bürger*innen Aufwand zu sparen. Angelegenheiten von Gebühren, Zahlungen und Dokumenten sollten auf die Einführung moderner Systeme hin überprüft werden. Dafür und für die Einführung weiterer Systeme wird eine Steuerungsgruppe ins Leben gerufen, die sich gut funktionierende Modelle in anderen Städten anschaut und Übertragungsmöglichkeiten prüft.

Trotzdem bedeutet Digitalisierung für mich nicht, auf jeden Trend aufzuspringen. Bei der Einführung und Anwendung von Systemen müssen Augenmaß und Nutzerfreundlichkeit gerade mit Hinblick auf Barrierefreiheit und ältere Menschen gewahrt bleiben. Andererseits soll gleichzeitig die persönliche Beratung von Mensch zu Mensch gestärkt werden.

Dabei stehe ich für eine Amtskultur, die nicht verhindert, sondern Steine aus dem Weg räumt und das Engagement für die Stadt fördert. Die Stadtverwaltung muss Motor zukünftiger Entwicklungen sein. Für innovative Lösungen, braucht es nicht nur die klügsten Köpfe, sondern vor allem eine vertrauensvolle und wertschätzende Zusammenarbeit. Dies erfordert kreative, offene Arbeitsbedingungen, die ein gemeinsames Miteinander auf Augenhöhe ermöglichen.

Durch Kooperationen zu unseren Hochschulen und wissenschaftlichen Instituten sollten Methoden einer erfrischenden Arbeits- und Lernkultur in den Teams der Verwaltung immer auf dem neusten Stand sein.

Die größte Herausforderung ist der hohe Krankenstand von etwa einem Fünftel der Mitarbeiter*innen, die längerfristig erkrankt sind. Hier gilt es, das Gesundheitsmanagement unbedingt zu verbessern.

Chef der Stadtverwaltung heißt Teamplayer mit Vorbildfunktion zu sein.