Miteinander lernen, leben und alt werden

Ausgangslage:

Die vorliegenden Sozialdaten für Erfurt belegen die zunehmende gesellschaftliche Spaltung zwischen zahlreichen Stadtteilen und den dort befindlichen Bildungseinrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten aber auch weiteren Orten der Bildung wie Bibliotheken und Freizeiteinrichtungen. Diese Separierung unserer Stadtgesellschaft betrachten wir mit großer Sorge. Die gesellschaftliche Spaltung zu überwinden und ihr entgegenzuwirken, muss unser Ziel sein!

Bewerbungsmarathons für Eltern und Kinder um Kita- und Schulplätze, das Verdrängen von Bevölkerungsgruppen an den Stadtrand sowie die Reduzierung von kulturellen, gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Angeboten in den Stadtteilen müssen der Vergangenheit angehören. Wohnort, finanzielle und gesundheitliche Situationen von Erfurterinnen und Erfurtern dürfen nicht über die Lebensgestaltung entscheiden.

 

Foto: Johannes Glöde

Vorhaben, Ziel und Umsetzung:

Um Chancengerechtigkeit zu unterstützen, wird ein „Pakt für Chancengerechtigkeit und zur Durchmischung von Stadtteilen und Bildungseinrichtungen“ ins Leben gerufen. Dieser soll sich mit der Frage beschäftigen, wie wir in unserer Stadt Rahmenbedingungen schaffen können, die Familien, Singles, Seniorinnen, Arbeitenden und Arbeitssuchenden, mit verschiedenen Grundvoraussetzungen das gemeinsame Lernen und autonome Gestalten der eigenen Biografie ermöglichen können.

Ein besonderes Augenmerk muss der soziale Frieden in den Stadtteilen erhalten. Dafür wird sich die Stadt weiter um bundesweite Fördermittel zur Stadtteil- und Sozialarbeit bewerben. Sozialarbeit und Schulsozialarbeit kommt für das soziale Miteinander sowie für Beteiligungsvorhaben vor Ort eine Schlüsselrolle zu. Durch ihr Wirken gilt es auch die Identität und Verbundenheit mit dem eigenen Wohnort zu fördern und Verantwortungsübernahme der Menschen in den Vierteln für ihren Stadtteil zu unterstützen. Stadtteile und Stadt funktionieren nur durch die Menschen, die in diesen Leben. Ein freundliches und sauberes Erscheinungsbild von Plätzen, Straßen, Parks und Spielplätzen als zentrale Orte des öffentlichen Lebens haben in jedem Stadtteil Priorität. Darüber hinaus muss die Wohnraumpolitik eine soziale Durchmischung fördern. Auch die Frage, inwieweit Wohnen ein Profitfeld sein darf, muss hier offen diskutiert werden. Steigende Mieten sind ein wesentlicher Grund für innerstädtische Verdrängungsprozesse und damit der Potenzierung sozialer Problemlagen in bestimmten Stadtgebieten. Ist ein innenstadtnahes Wohnen nicht möglich, muss die Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs hinsichtlich Anbindung und Finanzierbarkeit in den Blick genommen werden. Für die Chancengleichheit und Lebensqualität sind schnelle, bestenfalls fußläufig erreichbare Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und kulturelle, bildungs- und freizeitbezogene Angebote in den Stadt- und Ortsteilen ebenso relevant.